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Sozial
- Hürde
- Studienbremse
- Verhältnismäßigkeit
Lisa Müller ist 19 Jahre alt und hat gerade ihr Abitur gemacht. Im Winter möchte sie unbedingt anfangen, an der LMU Physik zu studieren. Seit der Oberstufe hat sie ihr Interesse für Physik entdeckt und leitet außerdem die Physik-AG an ihrer Schule. Sowohl ihre Eltern als auch ihr Physiklehrer unterstützen ihr Vorhaben und haben ihr empfohlen, mal zu einem Studienberater zu gehen.
Im Gespräch mit dem Berater geht es unter anderem auch um die Finanzierung des Studiums,da München schließlich nicht ganz billig ist. Hier hört sie zum ersten Mal etwas von Studiengebühren. Der Berater erklärt ihr, dass sie jedes Semester zusätzlich zu den Verwaltungsgebühren von 42€, 500€ Studiengebühren bezahlen soll. Lisa hat sich bereits über BaföG informiert und hat ihren Antrag schon eingereicht. Durch die Unterstützung des BaföG sind die Kosten der Studiengebühren jedoch nicht gedeckt.
Lisa fällt aus allen Wolken. Sie hatte mit ihren Eltern genau ausgerechnet, was eine Wohnung, Essen und Arbeitsmittel kosten würden. Ihre Eltern können sie mit maximal 200€ im Monat unterstützen, den Rest müsste sie sich mit einem kleinen Studentenjob hinzu verdienen.
Nachdem Lisa von den zusätzlichen Studiengebühren erfahren hat ist sie ratlos, da sie nicht weiß, wie sie diese finanzieren soll. Sie erkundet sich bei Freunden von ihr und bei den meisten bezahlen die Eltern die Gebühren. Ihre Eltern können dies jedoch aus finanziellen Gründen nicht.
Wie soll sie jetzt noch zusätzlich 500 € pro Semester auftreiben? Ihre Eltern raten ihr, erstmal eine Ausbildung anzufangen und arbeiten zu gehen. Doch Lisa will unbedingt studieren.
Studiengebühren halten Abiturienten vom Studieren ab. Bis zu 37.000 von ihnen entschieden sich im Jahr 2006 wegen der Campusmaut gegen ein Studium, belegt eine Untersuchung des HochschulInformationsSystems. Besonders einschüchternd wirken die Gebühren auf zwei bestimmte Gruppen: junge Frauen und Abiturienten, deren Eltern keine Uni besucht haben.
Und: Die Studiengebühren verunsichern auch Studienberechtigte in Bundesländern, in denen es keine Campusmaut gibt.
"Die Studiengebühren machen vielen Probleme", bestätigt auch Andrea Schumacher. Die Studienfinanzierungsberaterin des Studentenwerks Frankfurt berät häufig junge Leute, die nicht mehr wissen, wie sie ihr Studium finanzieren sollen. |
Lisa entscheidet sich gegen die Ausbildung und will probieren, zu studieren. Irgendwie bekommt sie die 100 € pro Monat zusätzlich schon zusammen, denkt sie.
Während ihre Kommilitonen sich langsam kennen lernen, die Universität erkunden und gemeinsam Seminare belegen, hetzt Lisa direkt aus der Vorlesung zu ihrem Arbeitsplatz als Verkäuferin. Im ersten Semester geht das noch ganz gut, aber als es auf die Klausuren zugeht merkt sie, dass ihr einfach die Zeit fehlt, sich gut vorzubereiten. Im zweiten und dritten Semester merkt sie, dass ihre Leistungen spürbar schlechter werden und sie immer weniger Zeit hat sich auf die Uni vorzubereiten oder ihren privaten Dinge zu erledigen.
Nach vier Semestern ist sie ratlos. Alle Zeit, die ihr nach Vorlesungen und Arbeit bleibt, steckt sie in ihr Studium und kommt trotzdem nicht voran. Ihre Noten sind eher schlecht, obwohl sie sich doch sehr dafür interessiert. Ihr fehlt einfach die nötige Zeit zur Vorbereitung. Von ihren Kommilitonen kennt sie kaum jemanden persönlich und auch auf einer Studentenfeier war sie noch nie, leisten könnte sie es sich sowieso nicht. Die vorgeschlagene Exkursion an der sie gerne teilnehmen würde ist viel zu teuer und auch die zwei wichtigen, englischen Fachbücher kann sie einfach nicht finanzieren.
So hat sie sich das Studium nicht vorgestellt und so macht es für sie auch keinen Sinn mehr.
Immer mehr Studenten gehen neben ihrer Ausbildung einer Arbeit nach, um sich ihr Studium weiter zu finanzieren, oder ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Arbeitgeber schätzen Studenten als Aushilfskräfte, denn sie sind billige Arbeitskräfte, bringen nützliche Kenntnisse mit und sind auch belastbar, weil zu unbequemen Zeiten am Abend, nachts oder an Wochenenden willig und einsatzbereit. Studierende sind zudem auch häufig parallel in Vollzeit beschäftigt
Drei Viertel der Studenten arbeiten: Kein Studium ohne Job möglich
Um die Studiengebühren zu finanzieren, müssten Studenten eigentlich mehr arbeiten, ergänzt Herman Carabalí, Sozialreferent der Frankfurter Goethe-Universität. |
Ihrem Kommilitonen Martin erzählt sie endlich, dass sie den Druck, unter dem sie durch das Studium und dessen Kosten steht, nicht mehr aushält. Bei ihr dreht sich alles nur noch um Geld, sie hat nicht genug Zeit für ihr Studium und für ihre anderen Interessen sowieso nicht. Sie findet das einfach nicht gerecht, dass sie nur wegen diesen 500€ so eingeschränkt ist.
Martin versteht das, findet Studiengebühren jedoch gerechtfertigt. Seine Eltern können ihm das Studium finanzieren und er findet es angebracht, dass er etwas für seine gute Ausbildung bezahlt. Außerdem ist er der Meinung, dass er mit seinen 1000€ im Jahr die Gesellschaft entlasten kann, die ihm sonst den Studienplatz aus Steuern finanzieren würde. Das fände er aber sozial ungerecht.
Lisa ist sauer: die 500€ sind nicht sozial gerecht, sondern halten sie vom Studieren ab. |